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Bericht FDP-Veranstaltung "Ein großes Biogas-Kraftwerk in Nienberge?" (16.4.2008)

Bericht FDP-Veranstaltung „Ein großes Biogas-Kraftwerk in Nienberge?“ am 16.4.08, ca. 90 Tln. – P. Deininger

Position Stadtwerke (Ohlms) – Anfangsstatement und Antworten auf Nachfragen
Ausgangslage
Die Stadtwerke Münster stehen durch Vorgaben der Politik auf Bundesebene als auch des Rates der Stadt in der Pflicht, zur Reduzierung des C02-Ausstoßes (Stadt: -40% bis 2020) und Steigerung des EE-Anteiles (Stadt: 20% bis 2020 = 50 MW!) beizutragen. Es gibt nur 3 Wege:
(1) Energieeinsparung
- im Gebäudebereich – aber zugleich erfolgt ständig Zubau von Wohnungen in Münster.
- Verminderung der Fahrten mit dem Auto und Flüge.
- Verminderter Fleischkonsum.
(2) KWK steigern – Die Stadtwerke haben neben der GUD-Anlage (50% Eigen-
stromerzeugung) bereits 20 gasbetriebene BHKW und zusätzlich Biogasanlagen auf der Deponie (Restmüllvergärung + Kläranlage)
(3) Erneuerbare Energien ausbauen – die Stadtwerke haben bereits auf Borkum eine WKA-Anlage (Anteil) und eine kleinere in Nienberge. Gutachten haben ergeben, dass der weitere Ausbau von Windkraft und Wasserkraft in Münster nichts bringt und PV ist wenig effektiv bzw. teuer.
Die Holzmärkte sind leergefegt (Pellets) also bleibt im Biomassebereich nur noch Biogas als Energieträger, um die Steigerung des EE-Anteils in MS von 3% auf 20% zu erreichen. Mit dem Projekt könnten 5% EE-Erzeugung erreicht werden.
Da die Wärme von Biogasanlagen in Münster ganzjährig nicht durch Ver-braucher in der Stadt abgenommen werden kann (das gilt auch für kleinere Biogasanlagen mit 500 kW!) muss ein Wärmeabnehmer nahe der Anlage installiert werden.
Wenn das Projekt nicht realisiert wird, dann sind die Politiker in MS am Zuge zu sagen, wie das 20%-Ziel EE bis 2020 erreicht werden soll.


Das Potential/der Standort
Im Bundesdurchschnitt werden 17 Mio ha Mais angebaut, davon wird 1,4% für Energiezwecke angebaut. Es stehen Anbauflächen auf den 8% der Stillegungs-flächen zur Verfügung. Im Einzugsbereich von Nienberge gibt es ausreichend Reserven und Landwirte, die bereit wären, Mais für die Biogas-Anlage zu verkaufen. Nienberge ist der geeignetste Standort in Münster (Landwirte+ Abwasseranschluss+Verkehrsanschluss)


Das Konzept: Biogasanlage mit Düngemittelproduktion
Die angedachte 2 MW el. Biogasanlage soll mit Mais, Grasschnitt und Gülle (50%) betrieben werden. Die Wärme wird zur Erzeugung von Stickstoffdünger in Flüssigform und Phosphatdünger (fest) genutzt und verkauft (z.B. an Getreideanbau-Gegenden mit Phosphatmangel). Bei einem Einkaufspreis von 30€/t für den Mais rechnet sich der Betrieb der Biogasanlage plusminus Null. Ein Überschuss wird erst durch den Düngerverkauf erzielt und an die Betreiber der Anlage (Lieferanten/Landwirte sind als Anteilseigner willkommen) zurückgegeben.


Für den Mais werden ca. 800 ha zusätzliche Anbaufläche benötigt (= 5% der Stillegungsfläche). Anlieferung der Biomasse (Radius 10 km)erfolgt nicht durch den Ort, Geruchsbelästigung ist kaum gegeben (nur die Silage). Es können 30.000 t C02 eingespart werden, davon 20.000 durch die vermiedene Gülleaus-bringung (Düngerproduktion).


Eine Aufnahme der erzeugten Wärme der Biogasanlage in das städtische Wärmenetz ist nicht möglich, da im Sommer zu wenig Bedarf (Winter 200 MW, Winter 10 MW). Deshalb die Düngerproduktion als bessere Lösung.

Argumente der Landwirte und Anwohner (größtenteils Gegner der Großanlage)
- Die Stillegungsflächen hier sind schon großenteils wieder im Anbau, stehen als
zusätzliche Maisanbaufläche gar nicht zur Verfügung.
- Der Maispreis kann auch über 30 € steigen – was dann? (Wer übernimmt das Risiko?).
- zu viel Verkehr und Geruchsbelästigung.
- Die Anlage ist zu groß und sprengt die bäuerlichen Strukturen.
- kleinere Anlagen (z.B. 150 kW) lassen eine Nahwärmenutzung eher zu.
- Die Deponie von Münster wäre der bessere Standort.
- Die große Biogasanlage tritt in Konkurrenz zu den schon vorhandenen
kleineren Anlagen in der Region (insgesamt schon 3,3 MW).
- Jetzt haben kleinere Anlagen schon Probleme mit der Netzeinspeisung des
Stroms mit den Energieversorgern (zu kleine Leitungen).